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Am 29. und 30. August 2003 hatte das Hotel Sturm etwas besonderes für uns Motorradfahrer zu bieten: An
diesen zwei Tagen galt es, eine Strecke von 666 Meilen - das sind in etwa 1.072 Kilometer - zu bewältigen. Diese Aufgabe hört sich vielleicht nicht so spektakulär an, haben wir doch alle schon größere Strecken im Urlaub hinter
uns gebracht. Doch nur auf kleinen Nebenstrecken eine vorgegebene Tour abzufahren, das macht die Sache doch nicht ganz so einfach. Deshalb waren es auch nicht sehr viele, die sich für dieses Event gemeldet hatten.
Genauer gesagt sind es 2 Motorradfahrerinnen und 9 Motorradfahrer, die sich am Donnerstagabend im
Zirbelstübchen des Hotel Sturm in Mellrichstadt zum Briefing einfinden. Bei der Sichtung der Roadbooks ist uns gleich klar, dass diese Tour kein Zuckerschlecken wird. Deshalb geht es am nächsten Tag auch früh los. Um 7:45
machen wir uns auf den Weg - leider hat sich pünktlich zur Tour der wochenlange Sommer verabschiedet und es hat über Nacht geregnet. Also müssen wir uns auf nasse Straßen einstellen. Doch “shit happens”: schon nach wenigen
Kilometern wird Stefan das Opfer einer schmierigen Ecke und stürzt, Gott sei Dank ohne Blessuren - nur seine Kawa ist reif für die Werkstatt. Nachdem Matthias den Abtransport organisiert hat geht es weiter. Vorbei an den
südlichen Ausläufern des Thüringer Waldes, vorbei an Coburg und im Zickzack durch den Frankenwald. Die Straßen sind abgetrocknet und es geht zügig voran. Matthias gönnt uns kaum eine Pause, die Lunchpakete werden an der
Tankstelle verzehrt - weiter ... Am Schleizer Dreieck wechselt die Richtung und wir nehmen wieder Kurs nach Westen auf. Von der schönen Strecke am Saalestausee bekomme ich wenig mit, ich konzentriere mich auf die BMW von
Matthias und da dran zu bleiben erfordert ganze Aufmerksamkeit. An der Staumauer dann endlich eine etwas längere Pause - herrlich! Wie sehen nur die Moppeds aus, total zugesaut von den nassen Straßen. Doch das ist jetzt nicht
das Problem, weiter geht’s: denn von wegen “zurückfahren” - durch das Schwarzatal führt uns die Strecke, zum Werratal, wieder hinauf nach Masserberg, abwärts in den Schleusegrund und wieder hoch zum Rennsteig. Oberhof mit
kurzem Stopp an der Schanze und nun geht es WIRKLICH wieder nach Mellrichstadt. Gegen 19:30 trudeln wir, nun doch reichlich geschafft, wieder am Hotel ein. Überraschung: Stefans Kawa ist wieder fahrbereit! Der nette Händler
in Niederlauer hat ein Neufahrzeug “geopfert” und so die erforderlichen Teile getauscht. Der Abend wird kurz - essen und trinken, dann übermannt uns die Müdigkeit.
Der nächste Morgen sieht zwei Teilnehmer weniger am Start: Ermüdungserscheinungen. Dafür ist Stefan wieder mit dabei, sozusagen “außer Konkurrenz”... Es ist bewölkt und kalt, aber (vorerst) trocken. Das richtige Gore-Wetter.
Heute führt uns Matthias zuerst in die Rhön, über die Wasserkuppe und dann in den Spessart. Dort beginnt es auch heftig zu regnen - wirklich kein Spass mehr. Aber es treibt uns weiter, an der Fränkischen Saale entlang über
Hammelburg in Richtung Fränkische Schweiz. Der Regen hat aufgehört, wenigstens sind die Straßen wieder griffig. Dafür behindern uns Umleitungen und ein Fest in Schesslitz. Der Festumzug wäre in 10 - 15 Minuten durch, sagt uns
ein absperrender Feuerwehrmann, aber wer Matthias kennt, der weiss, dass der lieber mit seinem GPS eine Umleitung sucht. Die erweist sich als Off-Road Einlage und zeigt uns, dass auch wir bestens mit Waldwegen klar kommen. Nach
20 Minuten haben wir so wieder Schesslitz erreicht, diesmal an einer anderen Stelle. Auch der Festzug hat etwa solange bis hier gebraucht und ein absperrender Feuerwehrmann sagt uns ..... Auch dieses Hindernis ist irgendwie
umschifft und wir erreichen die Fränkische Schweiz mit dem Wiesenttal. Es darf wieder gerastet werden, aber so langsam merkt man die Kilometer: die Konzentration lässt etwas nach und der Hintern beginnt zu schmerzen. Ja, auch
auf einer Pan European! Etwasnachhintenrutschendannwiedernachvorne. Über Stadelhofen und Staffelstein sind wir auf dem Heimweg. Malkurzaufstellenundetwasbewegen. Sesslach hat natürlich seine Stadttore wieder geschlossen.
VerdammtdenRestwerdichdochauchnochschaffen! Bei Heldburg gibt es noch eine letzte Umleitung, dafür kommt die Sonne wieder raus und zahlreiche Heissluftballons bevölkern plötzlich den Himmel. Welch eine Kulisse für die letzten
Kilometer! Und nun setzt sich der Gedanke im Hirn fest: wir haben es geschafft!!! Gegen 19 Uhr biegen wir stolz wie die Spanier ins Sturm ein, Bier muss her und wir beglückwünschen uns gegenseitig - wir wissen, was wir
hinter uns haben :-))))))))) Es sind dann doch 1.130 Kilometer geworden, die uns keiner mehr nimmt - wirklich eine Herausforderung der besonderen Art, mit der wir uns die Aufnahme in die “Hall of Fame” des Sturm gesichert
haben.
Hier nun einige Bilder, für die die Zeit noch gereicht hat. Mit einem Mausklick sind sie zu vergrößern.
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